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(Quelle : Mannheim Morgen, 21. Februar 2005)


Gewürzter Vorspeise folgt süffisanter Hauptgang


"Dinner for one" im Heddesheimer Bürgerhaus / Begeisterte Besucher werden über den Anfang des Kultstücks informiert
Heddesheim. An Silvester flimmert er in allen Programm über die Mattscheibe, doch kaum einer weiß, wie es zu "Dinner for one", dem Theaterstück um Miss Sophies 90. Geburtstag, ihren Diener James und der Stolperfalle Tigerkopf eigentlich gekommen ist. Die Truppe des Schatzkistls aus Mannheim führte dies auf Einladung der Volkshochschule den restlos begeisterten Besuchern im fast komplett gefüllten Heddesheimer Bürgerhaus vor Augen. Das laut Ankündigung abendfüllende Theaterstück "Dinner for one, wie alles begann" nach einer Idee von Peter Baltruschat und Volker Heymann, der auch das Buch schrieb und Regie führte, zieht seit dem Jahr 2002 die Zuschauer aus der ganzen Region an.
In dem Stück nimmt alles seinen Lauf mit einem Vorsprechen für die Rolle der beiden Hauptdarsteller Miss Sophie und James. Doch der Regisseur (gespielt von Frank Landua), der das Stück auf die Bühne bringen will, verzweifelt schnell an den beiden Kandidaten, Elvira und Klaus (Regina Steegmüller und Gunter Möckel). Das Chaos-Duo tingelte bisher gemeinsam über die Dörfer und lieferte scheinbar drittklassiges Kabarett ab. Und auch ihre Schauspielkarriere kam noch nicht über Rollen in Werbefilmen für Supermärkte hinaus.
In heftigstem Kontrast dazu steht das divenhafte Gehabe der beiden, Klaus mit wehendem weißen Schal, Elvira in giftgrünem Kleid. Zu allem Überfluss kriegen sich die beiden Möchte-gern-Schauspieler bei jeder Kleinigkeit in die Wolle. "Wie kriegen sie es eigentlich hin, zusammen zu spielen und sich nicht zu zerfleischen?" will der Regisseur schließlich wissen. "Ich bin Vegetarierin", bekommt er von Elvira zur Antwort. Da bleibt ihm nur noch Galgenhumor: "Dann haben eben auch Miss Sophie und James Kommunikationsprobleme" oder "Bewahren Sie sich ihre Energie, da kann man was daraus machen, ich weiß bloß noch nicht was". Seine Englisch-Kenntnisse, die sich auf ein "Fuck you beschränken" prädestinieren Klaus ebenfalls nicht besonders für die Rolle. Doch weil es keine anderen Kandidaten für die Rolle gibt und die Premiere vor der Tür steht, muss der Regisseur notgedrungen zugreifen.
Nach der Pause sieht sich der Zuschauer in das Wohnzimmer von Miss Sophie versetzt. Jedes kleinste Detail erinnert an das, was man aus dem Fernsehen kennt, jedes Wort des Ansagers ist mit dem aus der Urfassung identisch, jeder Rülpser des immer betrunkener werdenden James, jeder Stolperer über den Tigerkopf, jeder grazile Sprung darüber, jedes "Scull" und jedes Hackenzusammenschlagen von Admiral von Schneider, jedes piepsige"Happy new year" von Mr. Pommeroy, jeder Redeschwall von Mr. Winterbottom, schlichtweg jede Geste der beiden. Mit einer Ausnahme: Selbst während des Stückes können die beiden Streithähne nicht ganz ohne Kabbelei. Da fliegt mal ein giftiges "Schnepfe" von Klaus alias James oder ein genervt nachgeäfftes "Same procedure as every years" an Miss Sophies Kopf. Den Zuschauern im Bürgerhaus gefiel es auf jeden Fall. Spätestens an Silvester können sie dann ja wieder mit anschauen, wie Miss Sophie James "as every year" am Ende in ihr Zimmer abschleppt.
Von Michael Zehender

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