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(Quelle : Hohenloher Zeitung, 22. Dezember 2007)


Boshaftigkeiten ins Essen gestreut


Öhringen "Dinner for one" zeigt in der Kultura die Vorgeschichte des Klassikers


Den Silvester-Klassiker "Dinner for one" als blo ße Kopie auf die Bühne zu bringen, wäre ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Denn die kurze Geschichte von Miss Sophie und ihrem Butler James ist als zeitloses Ideal zu fest in den Köpfen verankert. Autor und Regisseur Volker Heymann hat sich daher etwas einfallen lassen, um den Versuch dennoch zu wagen: Nicht nicht die Figuren, sondern deren Darsteller stehen im Mittelpunkt.
So heişt das vom Mannheimer Tourneetheater Kulturnetz in der Kultura gespielte Stück also "Dinner for one... wie alles begann", und es beginnt mit dem Vorsprechen der Rollenkandidaten. Da dem namenlosen Regisseur (Alex Miller) die Erstbesetzung abgesprungen ist, muss er mit dem einzig verbliebenen Ersatz Vorlieb nehmen: Klaus (Gunter Möckel) und Elvira (Regina Steegmüller), die als "spritziges Ulkduo" in gegenseitiger Verachtung verbunden sind.
Klaus ist ein eitler, fantasieloser Geck, der im Monolog aus Sophokles' "Antigone" den Chor der thebanischen Alten schon mal zu "tibetanischen Athleten" macht. Seine ebenfalls in Unwürde gealterte Kollegin umschnurrt lieber den der Verzweiflung nahen Regisseur als ihre beruflichen Fähigkeiten vorzuführen. Dessen Anregung, die vermutlichen Lebensläufe von Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom zu improvisieren, setzen sie dafür in öhringen umso vitaler in die Tat um. In der Imagination von Tobys alter Kneipe oder Pommeroys Sandkasten beharken sich die beiden mit Hingabe, wobei Elviras "Deine Strunzigkeit schreit zum Himmel!" sogleich die "Proletenschrulle" ihres Partners nach sich zieht. Angesichts solcher emotionalen Abgründe, wie man sie sonst von Tennessee Williams kennt, schöpft der Regisseur Hoffnung: "Bewahren Sie sich diese Energie."
Dann wechselt das Bild, aus dem kargen Probenraum wird der luxuriöse Speisesaal Miss Sophies. Und tatsächlich spielen Klaus und Elvira die berühmte Szene in fast fehlerloser Originaltreue, vom alkoholbedingt zunehmenden Torkeln bis zum zirpenden Klang von "Same procedure as every year".
Doch nur fast, denn das Paar kann das Zoffen nicht lassen und streut seine Boshaftigkeiten wie Cayennepfeffer ins Essen. So gerät das Stück zur vergnüglichen Variante, die durch eine raffinierte Vorgeschichte und vor allem bestens aufgelegte Schauspieler besticht. Und die rund 300 Besucher in der Kultura amüsieren sich dabei mindestens so wie alljährlich Millionen Zuschauer zu Hause vor dem Bildschirm.

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