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( Quelle : Die Rheinpfalz, 25. November 2002 )


Der Tigerkopf erst nach der Pause


Volker Heymann erzählt die Vorgeschichte von "Dinner for one" im Mannheimer "Schatzkistl"
Volker Heymann steht in der Region für kleine neo-dadaistische Komödien und etwas verquast gesellschaftskritische Farcen, neuerdings gar für Anti-New-Economy in Mundart. Ein breites Spektrum, aber eines, das nur sehr bedingt auf die breite Masse schielt.
Nun hat sich Heymann mit Schatzkistl-Impresario Peter Baltruschat zusammengesetzt, um dessen Idee von einer abendfüllenden Version des legendären Silvester-Sketches "Dinner for one" zu entwickeln. Und weil Baltruschat ein Händchen für Publikumserfolge hat, kam ein pfiffiger Bühnentext aus Heymanns Feder, der einen leichten Komödienton anschlägt, unter dem gleichwohl der "nackte Wahnsinn" lauert.
Spätestens seit Michael Frayns Stück ist Theater auf dem Theater eben solch nackter Wahnsinn und Autor/Regisseur Heymann zielt denn auch auf die entsprechenden Untiefen theatralischer Produktionsbedingungen. Das alternde Schauspielerpaar Elvira und Klaus spricht bei Regisseur Heymann für die Rollen für die Rollen von Miss Sophie und Butler James vor. Zunächst tut dies Klaus, der ansonsten in Schulungsfilmen für Firmen und als "Politkabarettcomedy"-Partner seiner besseren Hälfte mitwirkt.
Klaus ist also ein aufgeblasener Möchtegern, der die Vorgaben des Regisseurs diskutiert, statt einfach zu machen, der erklärt, rechtfertigt, entschuldigt, hinbiegt und sein Fähnchen dennoch nach den vorgeblichen Erwartungen des Regisseurs dreht. Gunter Möckel tut das umwerfend komisch, spielt dabei den Abgrund mit, in den die Figur im nächsten Moment stürzen könnte, den Grat sozusagen zwischen Manie und Depression.
Heymann, der Theaterprofi, zieht währenddessen zwar durch den Kakao, was einfachere Gemüter bei Regisseuren für aufgesetzte Kunsthaftigkeit halten könnten, bleibt aber als Regisseur-Darsteller gleichfalls immer knapp diesseits von Denunzierung und prätentiösem Klamauk. Dagegen ist für Regina Steegmüller nicht leicht anspielen, aber auch sie hält die mannstolle Elvira angenehm entfernt von der Karikatur, und man wird sicher erleben, dass bei späteren Vorstellungen auch das Timing in den Dialogen dieses profilierungssüchtigen "Virginia Woolfe"-Paares noch besser auf den Punkt kommt.
Die hanebüchene Auseinandersetzung zwischen Elvira und Klaus könnte bis zur Pause noch höher gedreht werden. Hernach dann der Sketch, ein bisschen gekürzt, aber relativ original (inklusive Tigerkopf-Stolpern) und entsprechend zwerchfellerschütternd. Mitunter brechen dabei sogar die Eifersüchteleien aus der "Probenarbeit" ein und wir wünschten uns durchaus, dass sich Volker Heymanns anarchistischer Witz hier noch ein bisschen länger ausgetobt hätte.

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Eine Produktion von
KulturNetz Mannheim   &
Musik-Kabarett SCHATZKISTL
   
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