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(Quelle : Wormerser Zeitung, 24. Dezember 2007)


The same procedure...?


Kultstück "Dinner for One" sorgt auch in "Schatzkistl"-Version für Lacher
"Wie alles begann": Die Profis vom Mannheimer "Schatzkistl" schürften tief und vergnüglich.

238 Zuschauer im ausverkauften Lincoln-Theater wollten sich das Kultstück nicht entgehen laßen: "Dinner for One" mit James, Miß Sophie und der dazu erfundenen Figur des Regißeurs. Drei Profis vom Mannheimer Musik-Kabarett Schatzkistl brachten Volker Heymanns Theaterstück "Dinner for One - Wie alles begann!" höchst amüsant auf die Bretter. Im ersten Teil sparsame Requisiten. Zwei Tische, eine Leiter, vier Porträts zieren die Wand. Ein Regißeur (sehr britisch: Alex Miller) sucht Schauspieler für "Dinner for One". Klaus Thiemann (seriös und kraftvoll: Gunther Möckel), ein abgehalfterter Provinzschauspieler meldet sich. Sein Werdegang ist eher mau, doch findet der Regißeur zunehmend Gefallen an ihm. Er darf Vorsprechen und rezitiert – sehr zur Belustigung des Publikums – den Chor der thebanischen Greise aus Sophokles Antigone. Sein trotteliges Gebaren – er kann außer aufgeschnappten Brocken Fäkalsprache kein Englisch – deutet eigentlich auf ein Mißlingen des Engagements hin, doch Elvira Strömer (Regina Steegmüller), seine mit ihm im Clinch liegende Ehefrau – hat sich auch beworben: für Miß Sophies Rolle. Strömer erscheint im giftgrünen Kostüm, umgarnt den Regißeur, der ihr gesteht, er habe gar keine andere Wahl, als sie beide zu nehmen, weil die Premiere bevorstehe. Nun machen sich die Drei an die Arbeit, proben die einzelnen Figuren, die James zu spielten hat. Zunächst Sir Toby. Der Regißeur hält für jede Figur eine paßende Vorgeschichte bereit. So erklärt er, Toby sei der größte Wirt im Umkreis von 200 Meilen gewesen, habe Sophie ins Wirtshaus eingeladen. In seinem "Cheers!" müße das anklingen. Admiral von Schneider mit seinem "Scol!" dagegen sei das "wilde, ungezähmte Tier". Ferner wäre da noch Sophies Cousin dritten Grades, Mr. Pommeroy, mit seiner "Piepßtimme". Ein verklemmtes Wesen, dem Sophie bereits im Sandkasten ein Bein gestellt habe. Mr. Winterbottom hingegen sei der Frauenheld, der unkonventionelle Charmeur, der schlüpfrige Körperlichkeit darstelle, was die beiden slapstickartig ausprobierten. Möckel und Steegmüller spielten hier wie das alte Ehepaar, vergleichbar mit dem kultigen ZDF-Klamauk "Ein verrücktes Paar" mit Harald Juhnke und Grit Böttcher Ende der70er. Die Regie von Frank Landua und Alex Miller hat hier ganze Arbeit geleistet, intelligente Personenführung mit dem Schwerpunkt humoristische Inszenierung garantierte Kurzweil. Nach der Pause dann der Ernstfall. Auch der Tiger, über den James stolperte, fehlte nicht. In pikfeiner Garderobe mit Frack geleitete der Butler seine Gräfin auf ihren Platz und servierte – auch den vier imaginären Herren – wieder die indische Hühner-Tomaten- Suppe, den Schellfisch aus der Nordsee, Hühnchen und Obst und schenkte die jeweils dazu paßenden Getränke (Sherry, Weißwein, Champagner und Portwein) ein, die er nach und nach selbst außoff. Köstlich stolperte James und fragte vor jedem Gang zunehmend lallend : "The same procedure as last year, Miß Sophie?" Diese antwortete regelmäßig und wie sich das gehört: "The same procedure as every year, James..."

Von Manuel Stangorra

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